Gründer trotzen den Krisen

Auf dem Weißenfelser Marktplatz findet erstmals eine Messe für Jungunternehmer statt. Wie sie angenommen wird und warum Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Von Martin Walter

WEISSENFELS/MZ. „Mut“ brauche es in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten, um ein Unternehmen zu gründen, sagen Thomas Böhm, Leiter der Wirtschaftsförderung des Burgenlandkreises, und die Weißenfelser Unternehmensberaterin Katrin Jährling-Fricke am Dienstagvormittag gleichlautend auf dem Weißenfelser Marktplatz. Dort fand, organisiert von Letzterer, erstmals der Gründermarkt statt, der in den vergangenen Jahren in einem Leißlinger Hotel durchgeführt worden war. Und Mut beweisen die 19 Jungunternehmer, die dabei mit ihren Mitarbeitern ihre Arbeit potenziellen Kunden und der Öffentlichkeit vorstellen.

Dazu zählt beispielsweise der 35-jährige Weißenfelser Benjamin Trier, der eine Ausbildung in einem Chemiebetrieb und als Rettungssanitäter absolviert und 2024 das Unternehmen „BTR“ aus der Taufe gehoben hat. Dieses erstellt unter anderem Brandschutzkonzepte für Unternehmen und kümmert sich um die Umsetzung. Die Mitarbeiter können zudem als Werksfeuerwehr oder für den Sanitätsdienst geordert werden. „Ich hatte die Ambition, mich selbstständig zu machen und habe gesehen, dass der Bedarf da ist“, erklärt Benjamin Trier, warum er den Schritt gewagt hat. Inzwischen zähle sein Unternehmen sieben festangestellte Mitarbeiter, die aus ganz Deutschland kommen und auch bundesweit im Einsatz seien. Der momentan größte Auftrag komme von einem Chiphersteller bei Dresden.

Doch bemerke auch Benjamin Trier, dass die Wirtschaft derzeit schwächelt. „Mehrere Anfragen wurden wegen Baustopps verschoben. Auf Dauer wird es dann schwierig, das Personal zu halten. Doch entlassen musste ich zum Glück noch niemanden“, sagt der Weißenfelser.

Darüber ist auch sein Mitarbeiter Alexander Zemla froh. „Der Gründermarkt ist eine tolle Sache. Unsere Branche ist ja noch relativ unbekannt, aber die Leute sind sehr interessiert an unserer Arbeit“, sagt der Mann, der aus dem Norden Deutschlands, nahe der dänischen Grenze, kommt.

Bei vielen Heiratswilligen scheint die wirtschaftliche Situation derweil noch nicht durchzuschlagen. „Wir haben in diesem Jahr 38 Hochzeiten auf der Schönburg geplant. Das ist während der Saison fast jeder Freitag und Samstag“, sagt der 51-jährige Mike Melzer erfreut, der die dortige Ausflugsgaststätte mit drei festangestellten Mitarbeitern betreibt. Dass das Hochzeitsgeschäft auf der Schönburg so gut floriert, sei auch Jana Loth, Inhaberin von „Burgenland-Hochzeit“, zu verdanken, mit der er seit rund eineinhalb Jahren zusammenarbeite. „Wir haben noch viele weitere Ideen, beispielsweise ein Freiluftkino und ein Picknick im Grünen“, nennt die 49-jährige Weißenfelserin mögliche künftige Angebote.

Auch abseits der Heiratswilligen und ihrer Gäste könne sich Mike Melzer nicht über zu wenig Kundschaft auf der Schönburg beschweren. Doch könne es noch mehr sein, was sich seiner Meinung nach vergleichsweise einfach umsetzen ließe: „Wir sind ja nahe am Saaleradweg. Aber die Beschilderung könnte besser sein.“

Auf der gegenüberliegenden Saaleseite in Goseck hat sich Amrei Knauf seit Mitte 2024 mit einem Esel- und Ponyhof ein zweites Standbein aufgebaut, welches, je nachdem wie es laufe, künftig vielleicht sogar ihr Hauptgeschäft werden soll. „Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen“, erklärt sie, wie es dazu kam. Dort bietet sie Reiten und Reitunterricht an und habe auch schon Kita- und Grundschulgruppen zu Besuch gehabt. „Mitarbeiter habe ich nicht. Doch vier Ponys und zwei Esel“, sagt die 36-Jährige lachend. „Ich möchte das ganz langsam aufbauen und schauen, wie es sich entwickelt. Aber das Potenzial ist grundsätzlich da“, blickt Amrei Knauf zuversichtlich in die Zukunft.

Nach einer Auswertung soll entschieden werden, ob der Gründermarkt auch 2027 wieder auf dem Weißenfelser Marktplatz stattfindet, sagt Initiatorin Katrin Jährling-Fricke.

Vollständiger Artikel aus der MZ Wießnfels: